Schematherapie
Schematherapie ist ein Verfahren, das aus der Verhaltenstherapie hervorgegangen ist und sie bei lang andauernden, wiederkehrenden Mustern erweitert. Sie verbindet kognitive Verhaltenstherapie, Bindungstheorie, Gestalttherapie und emotionsfokussierte Ansätze.
Kernbegriffe der Schematherapie sind:
- "schädliche" Schemata: tief verankerte Muster aus Gedanken, Gefühlen und Körpererleben, die meist aus frühen Beziehungserfahrungen stammen (z. B. „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich darf keine Fehler machen“, „Andere werden mich verlassen“).
- Grundbedürfnisse: etwa nach sicherer Bindung, Autonomie, emotionalem Ausdruck, realistischen Grenzen und Selbstwert. Werden diese wiederholt verletzt oder nicht ausreichend erfüllt, können sich belastende Schemata herausbilden.
- Modi: aktuelle „Zustände“ oder innere Anteile, die in bestimmten, wiederkehrenden Situationen aktiviert werden.
Um mit diesen Schemata im Alltag zurechtzukommen, entwickeln wir häufig Bewältigungsmechanismen. Dazu gehören z. B. Rückzug und Vermeidung, übermäßige Anpassung („es allen recht machen“) oder Überkompensation (Perfektionismus, starke Kontrolle, Angriff).
Diese Verhaltensweisen hatten in der Vergangenheit – oft in der Kindheit oder in belastenden Beziehungssituationen – durchaus Sinn und haben geholfen, schwierige Erfahrungen zu überstehen. Im Erwachsenenleben kosten sie jedoch auf Dauer viel Kraft, führen zu anhaltendem Stress und verhindern, dass Bedürfnisse auf eine gesunde Weise erfüllt werden.
Schematherapie setzt genau hier an: Sie hilft, diese inneren Muster, Anteile und Bewältigungsstrategien zu erkennen, zu verstehen und schrittweise zu verändern. Dabei werden kognitive, emotionale und zwischenmenschliche Ebenen einbezogen.
Typische Vorgehensweisen sind:
- Gemeinsame Schemata- und Modusanalyse: Auf Basis von Gesprächen und Fragebögen wird sichtbar, welche Schemata und Modi bei Ihnen besonders aktiv sind und in welchen Situationen sie sich zeigen (z. B. in engen Beziehungen, bei Kritik, in Leistungssituationen).
- Arbeit mit Imagination: Belastende Erinnerungen werden in der Vorstellung noch einmal aufgesucht, diesmal jedoch mit einer neuen, schützenden und unterstützenden Reaktion. So können alte Lernerfahrungen emotional „überschrieben“ werden.
- Stühlearbeit / Modusdialoge Verschiedene innere Anteile treten in einen dialogischen Prozess. Dies erleichtert, Abstand zu destruktiven inneren Stimmen zu gewinnen und gesunde Anteile zu stärken.
- Begrenzte Fürsorge: Innerhalb einer klar professionellen Beziehungsgestaltung übernimmt die therapeutische Person zeitweise eine haltende, korrigierende Rolle: Bedürfnisse werden ernst genommen, Grenzen klar gesetzt, Überforderung vermieden.
- Verhaltensorientierte Experimente: Neue innere Haltungen werden im Alltag erprobt, etwa indem man sich in Beziehungen anders verhält, gesunde Grenzen setzt oder Selbstfürsorge konkreter umsetzt.
Schematherapie wird vor allem eingesetzt bei:
- Persönlichkeitsentwicklungsstörungen (z. B. Borderline, ängstlich-vermeidende, dependente oder zwanghafte Ausprägungen)
- chronischen Depressionen und Angststörungen, die auf symptombezogene Verfahren wenig angesprochen haben
- wiederkehrenden Beziehungsproblemen (z. B. Muster von Nähe/Distanz, Verlassenheitsängsten, starken Konflikten)
- Folgen früher Belastungen oder Vernachlässigung, auch wenn kein klassisches Traumabild vorliegt
- Einzelne Elemente sind jedoch fast bei jeder Diagnose sinnvoll.
Studien zeigen, dass Schematherapie bei mehreren Persönlichkeitsentwicklungsstörungen und chronischen Verläufen wirksam ist und teils zu hohen Remissionsraten führen kann, gerade wenn andere Ansätze nur unzureichend geholfen haben.
Sie ergänzt die Verhaltenstherapie, indem sie biografische Prägungen, Grundbedürfnisse, Bewältigungsstrategien und die therapeutische Beziehung noch stärker in den Mittelpunkt stellt. In Kombination mit verhaltenstherapeutischen Methoden entsteht ein Ansatz, der sowohl strukturgebend als auch emotional tiefgreifend ist: Es geht nicht nur darum, Symptome zu reduzieren, sondern die Art und Weise zu verändern, wie Sie sich selbst sehen, mit sich umgehen und Beziehungen gestalten – und damit langfristig mehr innere Stabilität, Verbundenheit und Selbstmitgefühl zu ermöglichen.
Schematherapie ist emotions- und erlebnisorientiert und kann manchmal herausfordernd sein, bietet Ihnen jedoch die Möglichkeit, emotionale Blockaden zu lösen und ein erfüllteres Leben zu führen. Hierbei geht es nicht nur darum, Symptome zu behandeln, sondern auch um die langfristige Heilung emotionaler Wunden, die Sie im Alltag bisher zurückgehalten haben.
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